Aramee - Die Hochburg der Zwerge

Es begab sich einige Jahre vor der gewaltsamen Niederwerfung der Elfen, dass die Zwerge vor den König traten. Sie beklagten sich, dass sie zwar die zweitgrößte Macht der Inseln von Yantis seien, aber dennoch keine Insel ihr eigen nennen konnten. Der König wusste das die Zwerge es auf die Insel der Erde abgesehen hatten, denn diese war reich an Bodenschätzen, Bergen und Gebirgen. Doch diese Insel befand sich schon lange im Besitz einer hoch angesehenen Adelsfamilie und deren jetziges Oberhaupt Andarion, Fürst der Erde war nicht der Mann, der sich um seinen Rechtmäßigen Besitz bringen lassen würde. Dennoch rief der König Andarion zu sich um sich mit Ihm zu beraten. Der Fürst der Erde, war ein sehr besonnener Mensch, der sich weit mehr auf die Kraft des Geistes als auf die des Schwertes verließ, dennoch war er nicht bereit seine Insel den Zwergen zu überlassen, denn diese war Teil seines Geburtsrechtes und er würde sie sich von niemandem nehmen lassen.
Um jedoch einen Krieg zu verhindern bat er die Zwerge um etwas Zeit, die er benötigen würde um eine Entscheidung zu treffen. Nach zähen Verhandlungen mit den Vertretern der Zwerge wurde beschlossen, sich in zwei Jahren wieder zu treffen.
Andarion jedoch kannte die Zwerge und ihre Schwachstellen gut, er wusste ganz genau wo er ansetzen konnte um seine Insel zu behalten und die Zwerge dennoch zufrieden zu stellen. Eins war ihm während der Verhandlungen klar geworden. Die Zwerge würden nicht einfach den Gedanken an eine eigene Insel aufgeben. Sie lebten so lange in Yantis und hatten doch nie einen Ort gehabt den sie Heimat nennen konnten. Also würde Andarion ihnen eine eigene Insel bieten die sie Heimat nennen konnten, allerdings nicht seine.
Er ließ die besten Künstler, Kunstschmiede, Architekten und Bergbauleute seines Landes im zu sich kommen und begann mit ihnen an der Umsetzung seines Planes. Andarion sandte seine Leute auf die Felseninsel Aramee, eine Insel, die eigentlich nur aus einem Berg wenn auch aus einem gewaltigen Berg bestand.
Zwei Jahre lang arbeiteten die Künstler auf dieser Insel und verwandelten sie von innen heraus in einen Palast. Betrat man nun den Berg so erreichte man eine riesige Halle, von deren Boden aus gewaltige Säulen die Decke stützten. Diese Säulen waren nicht einfach nur Säulen es waren Statuen, Statuen von Zwergen, die gebückt standen und auf ihrem Rücken die Decke der Halle trugen.
Die Bärte der Statuen waren aus purem Elfenbein, und reichten bis zum Boden während ihre Körper aus schwarz meliertem Marmor waren.
Der Boden der Halle war aus Obsidian, der nach innen hin immer dunkler wurde und einem so das Gefühl gab, über einem gewaltigen, bodenlosen Schacht zu stehen. Durchschritt man die Halle, so erreichte man die verschiedenen Gemächer, die extra für Zwerge angelegt worden waren. Die Wände der Räume waren golddurchwirkt und warfen den Schein der Fackeln verstärkt zurück. Alles erstrahlte in einem übernatürlichem Glanz. Sogar die Halter, die die Fackeln hielten waren aus Bergkristall gefertigt worden.
Andarion war mehr als zufrieden mit der Arbeit die auf Aramee geleistet worden war. Kein Zwerg würde bei dem Anblick eines solchen Übermaßes an Prunk und Edelmetall ungerührt bleiben, denn wenn die Zwerge eine Schwachstelle hatten, so war es ihre Gier. Es gibt Geschichten in Yantis, das die Gilden Zwerge die niedere Vergehen begangen hatten dadurch bestraften das sie das Gold jener Zwerge vor den Augen der Übeltäter einschmolzen. Weiter hieß es das dies für einen Zwerg eine fast unerträglich Qual sei, da die Zwerge jeder ihrer Münzen ein geheimes Zeichen einprägten, das die Münze kennzeichnet. Eine Münze ohne Kennzeichen gehört jedem. Durch das Einschmelzen ging das Zeichen verloren und das Gold gehörte nun nicht mehr dem zu strafenden Zwerg.
Als es an der Zeit war die vor Jahren unterbrochenen Verhandlungen Fortzusetzen, lud der Fürst der Erde die Vertreter der Zwerge nach Aramee ein um dort zu verhandeln.
Kaum jedoch hatten die Abgesandten der Zwerge die große Halle Aramees erreicht so blieben sie ehrfürchtig stehen. Keiner von ihnen hätte es für denkbar gehalten das sie hier eine solche Pracht erwartete.
Andarion, der die Zwerge seit sie das Eiland betreten hatte beobachtete Lächelte zufrieden. Selbst jemand der die Zwerge nicht so gut kannte wie er, hätte das glitzern der Gier in ihren Augen nicht übersehen können. Es bestand kein Zweifel. Je länger sich die Zwerge hier aufhalten würden, desto mehr würden sie die Insel nicht mehr verlassen wollen.
Die ersten Tage ließ der Erdfürst damit verstreichen, in den großen Hallen Aramees ein gigantisches Fest ausrichten, angeblich um die Unterhändler gebührend zu empfangen. In Wirklichkeit aber diente das Fest vielmehr dem Zweck, den Palast zu dem Aramee geworden war ins "Richtige" Licht zu rücken. Es wurde viel getanzt, gesungen und vor allem viel, sehr viel getrunken und der Met, den Erdfürst in strömen fließen ließ, hatte es in sich. Kurzum es war ein Fest wie es die Zwerge sich nicht schöner hätten vorstellen können. Aramee hatte sich für sie in ein Paradies verwandelt gegen das alles andere verblasste.
Andarion selbst hatte an jenen Tagen nur wenig Met zu sich genommen, dafür aber seine Gäste umso mehr. Desto mehr Verzückung sich auf ihren Gesichtern zeigte, desto sicherer blieb ihm seine Insel.
Als es endlich an der Zeit war die Verhandlungen zu beginnen spielte Andarion seinen letzen Trumpf aus. Den Raum, in dem die Verhandlungen abgehalten werden sollten. Dieser Raum hatte eine Kuppeldecke, die mit verschiednen Rotgoldplatten besetzt war. Auf jeder dieser Platten, war mit Silber, Gelbgold und Edelsteinen, eine bedeutende Szene der Geschichte von Yantis verewigt. Eine einzige Fackel war in der Lage den Raum in einem so gleißenden Licht erstrahlen zu lassen als wäre alles Licht der Sonne in dieser einen Kuppel eingesperrt und konzentriert worden.
Alle Fackeln bis auf eine wurden gelöscht diese eine jedoch wurde in der Mitte des Raumes angebracht und an einem Seil an die höchste Stelle des Raumes gezogen. Kaum hatte die Fackel ihren Platz erreicht, nahm die Helligkeit des Kuppelbaues bis zu einem erträglichen Maß ab. Um die Fackel herum warfen die Wände das Licht zwar immer noch zurück, aber nun nur in Richtung Raummitte wo sich um die Fackel herum eine leuchtende Kugel bildete welche den Tisch aus weißem Marmor beleuchtete. Allein an diesem Raum hatten hundertfünfzig Arbeiter, fünf Architekten, fünfundzwanzig Kunstschmiede und neun Bildhauer, die ganzen zwei Jahre lang gearbeitet und es war nicht sicher gewesen ob der Raum rechtzeitig fertig werden würde. Er war fertig geworden und er verfehlte seine Wirkung nicht.
Erst als die Zwerge den Raum betraten bemerkten sie den Teppich der den Boden bedeckte. Es war ein außerordentlich kostbares Stück sogar für den Maßstab eines Zwerges und zeigte den großem Kampf der Menschen gegen die Elfen in verschiedenen Ausschnitten, besonders prunkvoll waren die Teile des Teppichs an denen die Zwerge den Menschen halfen den großen Lavastrom um zu leiten und den Elfen den weg ins Landesinnere der Feuerinsel so erschwerten.
Die Zwerge die sich immer wieder damit rühmten entscheidend bei dieser großen Schlacht gewesen zu sein, sahen sich nun auch hier bestätigt.
Als sich nun der Fürst und die Vertreter der Gilden an dem Tisch in der Mitte des Raumes niederließen, waren die Zwerge eigentlich schon die Verlierer, die sich nach der Verhandlung jedoch als große Gewinner fühlen würden. Denn dies war die eigentlich Kunst Andarions. Er hätte einem Drachen seine Höhle mit allen Schätzen abschwatzen und ihm dafür einen Bund Stroh geben können, der Drache wäre immer noch der Meinung gewesen einen guten Tausch gemacht zu haben.
Und so kam es das die Insel der Erde weiter in menschlicher Hand, um genauer zu sein in der Hand einer gewissen Adelfamilie, blieb und die Zwerge dennoch einen Ort fanden, der für sie Hauptstadt und Heimat zugleich war. Auch wenn dieser Ort um ein weniges kleiner war als ihr ursprüngliches Ziel.

 

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