Der Drudenkrieg und das verbrannte Herzogtum

Zusammenfassung des geschichtlichen Hintergrunds

Vor etwa 620 Jahren hatte der König, Luminer, 13. König von Yantis, einen jüngeren Bruder, den er zu seinem Erben ernannte und ihm das Herzogtum Drudenstein übergab. Da der König keine Kinder hatte, wäre nach dem Erbrecht zunächst sein Bruder und dann dessen einziger Sohn der Thronfolger gewesen. Sowohl der Bruder des Königs als auch später sein Sohn, Balduin, sahen die Thronfolge als ihr Recht an und wiedersprachen dem alten Brauch von Yantis, nachdem der König durch ein Zeichen gewählt und vom hohen Rat großgezogen und unterrichtet wird. Als der 14. König, Pedamir der Blutrünstige, Luminer auf den Thron folgte, begann der Bruder des verstorbenen Königs all jene um sich zu scharen, die wie er den Brauch der Königswahl verachteten. Sie sahen darin einzig das Werkzeug des hohen Rates, der sich dadurch nahezu uneingeschränkte Macht sicherte, da der König ewig unter ihrem Einfluss steht und wenig mehr als eine willenlose Gallionsfigur sein kann, während der Rat in Wahrheit über das Land herrscht.

Nach dem Tod seines Vaters wurde Balduin Herzog von Drudenstein. Dank seines herausragenden rhetorischen Könnens und seiner Diplomatie gelang es ihm, das zu vollenden, was sein Vater nur unvollständig schaffte: das Volk von Drudenstein vollkommen für sich einzunehmen, zahllose Bündnisse zu schließen und eine Macht zu erlangen, die nur kaum der des Rates nachstand. Die Handelsabkommen mit dem Grafen der Erdinsel (das beste Erz in Yantis) und dem Grafen von Fyyreborg (die besten Waffenschmieden von Yantis), beides Mitglieder des hohen Rates, waren besonders wertvoll für seine Pläne. Unter ihrem Schutz konnte er unbemerkt eine Rebellion gegen den König und den hohen Rat vorbereiten.

Seine rechte Hand, Graf Alfred von Säbelbach, unterstützte seinen Lehensherren in der Anfangszeit bedingungslos, bis er erkannte, worauf dieser aus war. Daraufhin wandte er sich an den hohen Rat, um einen Krieg zu vermeiden und um den Verrat noch im Keim zu ersticken. Doch der Rat, von dem die Hälfte ohnehin Bündnisse mit dem Herzog hatte, war sich uneinig. Während sie ihren Entschluss vertagten, sorgten die Schergen des Herzogs dafür, dass das Auge des Drachen, der wertvollste Stein der Kronjuwelen, der Stein, der die Herrschaft über Yantis repräsentiert, dessen Träger traditionsgemäß Herr von Yantis ist, gestohlen und Graf Alfred untergeschoben wurde. Als man das Juwel unter den Besitztümern des Grafen fand, warf man ihm genau das vor, was er zuvor über den Herzog berichtet hatte: nämlich, dass er die Herrschaft über Yantis an sich reißen und den Rat vernichten will. Zum Tode verurteilt wurde er auf die Galeere geschickt, auf der er wenig später verstarb.

Den Herren der Erdinsel jedoch stimmten die Worte nachdenklich und so legte er das Handelsabkommen mit Drudenstein auf Eis, um absolute Gewissheit zu erlangen, bevor er dem Herzog weitere Unterstützungen zukommen lies.
Balduin von Drudenstein sah darin jedoch eine Gefahr für seinen Aufstand und beschloss nicht länger zu warten. Innerhalb eines Jahres versicherte er sich erneut die Unterstützung des Grafen von Fyyreborg, der ihn aus dem verbleibenden Erz und sogar aus Erz aus seinen privaten Beständen weiterhin Waffen schmiedete. Da der Graf von Fyyreborg mehr Zeit in der Hauptstadt des Herzogtums verbrachte, als auf seiner eigenen Insel, war er blind für die Zeichen, die deutlich einen Aufstand des Herzogtums ankündigten.

Während dieses Jahres heiratete der Herzog die Witwe des Grafen von Säbelbach, um unter anderem zu verhindern, dass ihre Gefolgsleute sich gegen ihn stellen. Wenig später wurde Lady Amalia schwanger und gebar dem Herzog einen Sohn und Erben. Um den Grafen von Fyyreborg weiterhin an sich zu binden, schlug der Herzog vor, dass sein Sohn wenn die Zeit reif sei die kurz danach geborene Tochter des Feuergrafen heiraten solle - der Graf stimmte diesem Vorschlag freudig zu. Und so, von den Worten des Herzogs umgarnt, unterstützte der Graf von Fyyreborg den Herzog sogar in den ersten Schlachten.

Während seiner Abwesenheit hatte der Graf von Fyyreborg einen Truchsess für Fyyreborg gewählt: Christian Wulfson, ein Krieger, der seinem Lehensherren bedingungslos treu ergeben war. Man erzählt sich, er sei nicht ganz menschlich gewesen sondern hätte das Wesen des Wolfes in sich, dessen Abbild er auf seinem Schild trug. Er hatte währen der Anfangszeit des Krieges oft versucht, seinen Lehensherren über die tatsächliche Situation zu informieren, doch seine Briefe wurden abgefangen und veränderte an den Grafen weitergereicht. Nicht einmal als der Herzog seinen Sohn von seinen treusten Gefolgsleuten geschützt in ein sicheres Versteck bringen lies, schöpfte der Graf, blind vom Gold und Reichtum, Verdacht. Erst als sich die beiden Armeen, die des Königs und des hohen Rates - nicht vollständig selbstverständlich, da ja ein Mitglied des Rates, der Graf von Fyyreborg auf der Seite des Herzogs stand - und die Armee des Herzogs auf der Ebene von Rhakimura im Herzogtum Drudenstein gegenüber standen und die schrecklichste alles Schlachten in der Geschichte von Yantis entbrannte, erkannte der Graf seinen Irrtum und wollte sich gegen den Herzog wenden und für den König kämpfen, dem er die Treue geschworen hatte und den er so lange verraten hatte.

Um seine Ehre wieder herzustellen forderte er den Herzog zu einem Duell heraus. Beide waren ebenbürtige Kämpfer und lange Zeit war es nicht zu erkennen, wer den Sieg davon tragen würde. Schließlich jedoch wurde der Herzog verwundet und als der Graf seinen Vorteil nutzen wollte und zum todbringenden Schlag ausholte, traf ihn ein Armbrustbolzen, abgeschossen von den Treuen des Herzogs, so dass er vor Balduin von Drudenstein auf die Knie sank und dort durch die Klingen, die in seinen eigenen Schmieden gefertigt wurden, den Tod fand.

Während sein Blut noch den Boden tränkte, vollendeten die Magier beider Seiten die Rituale, die sie für die mächtigen Kampfzauber benötigt hatten und was folgte ist seit dem als die Nacht des brennenden Himmels bekannt. Die magische Entladung war so groß, dass die Ebene von Rhakimura, die fruchtbaren Landschaften von Drudenstein verbrannten und zur Wüste wurden. Die Hauptstadt von Drudenstein, Kyrmos, war im Zentrum des Grauens, das die Magier entflammt hatten und in der Hitze verschmolzen die Mauern und Häuser zu Glas.

Als der Morgen graute, war offensichtlich, dass, auch wenn die Verluste der Königstreuen zahllos waren, die drudensteiner Armee vernichtend geschlagen war und Herzog Balduin wollte mit seinen verbleibenden Gefolgsleuten fliehen. Noch immer lag die Magie in der Luft und sorgte dafür, dass das Glas, was einst eine der schönsten Städte von Yantis gewesen ist, zwar langsam erkaltete, aber immer noch zäh flüssig war. Ob diese Magie es auch bewirkte oder ob es die sprichwörtliche Sturheit der Fyyreborger war, ist nicht bekannt, doch als Herzog Balduin, geschwächt durch die Wunde, die er im Duell davon getragen hatte und entsetzt über seine Niederlage, durch die gläsernen Ruinen seiner Stadt floh, erhob sich eine Gestalt, schemenhaft, gehüllt in weiße Flammen. Die Flammengestalt ergriff den Herzog, zog ihn in das kalte, aber noch flüssige Glas. Dort hielt sie ihn so lange, bis das Glas zu einem Felsen erstarrt war. Alle, die dies sahen, schwuren, dass jene Flammengestalt der der Feuergraf gewesen ist.

Genauso wie die immense Magie, die in jener Nacht von den Magiern entfesselt wurde, den Geist des Grafen, dessen Leichnam ebenfalls im Glas eingeschlossen liegt und nie den Frieden der Toteninsel finden wird, lebendig und grauenhaft am Leben hält, findet auch der des Herzogs keine Ruhe. Bis heute achtet der Feuergraf darauf, dass der Geist des Herzogs nie seine Freiheit erlangen kann.

Noch immer sind die Drudensteiner ihrem Herzog treu ergeben, geführt von den direkten Nachkommen des Herzogs, und halten den gläsernen Monolithen, in dem Balduins Körper eingeschlossen ist, in größten Ehren. Bis heute suchen die Magier der Drudensteiner nach einem Weg, ihn zu befreien und ihm wieder einen Körper zu geben, denn an diesem Tag - so erzählen sich ihre Geschichten - wird der Himmel erneut brennen und dieses Mal wird Drudenstein den Sieg davontragen.

 

zurück zur chronologischen Übersicht

zurück zur Bibliotheks-Übersicht